Duisburg-Mitte, Liebfrauen
Die älteste Kultstätte Duisburgs war die vielleicht in der zweiten Hälfte des 8. Jahrhunderts innerhalb des alten Reichshofes gegründete Salvatorkapelle, die 893 als Besitz der Abtei Prüm erstmals erwähnt wird. 1254 trat Prüm sein Patronat an die Deutschordenskommende Welheim bei Bottrop ab, deren Ordenspriester schon 1235 die Seelsorge ausübten; 1187 wurde ein kleiner Sprengel der Duisburger Salvatorpfarrei zur Bildung einer neuen, um die Johanniterkirche gelegenen Pfarrei St. Marien und St. Johann Baptist abgetreten, das Recht des Pfarrsends verblieb jedoch der Mutterkirche. Der heutige Bau der (evangelischen) Salvatorkirche wurde als gotische Hallenkirche zwischen 1415 und 1426 errichtet, der Turm wurde nach einem Brande 1479 bis 1513 neu gebaut; ein Salvatorbild der Pfarrkirche galt seit 1466 als wundertätig, seitdem wurde am Donnerstag nach Dreifaltigkeit dem heutigen Fronleichnamsfest, das Salvatorfest durch Prozession und Wallfahrt gefeiert, 1555 wurde das heute in Nievenheim bei Neuss befindliche Bild aus der Salvatorkirche entfernt.
Seit 1543 breitete sich der Kalvinismus von den Niederlanden her in Duisburg aus, den auch der Rat der Stadt förderte, zuerst öffnete sich 1544 die Marienkirche der Johanniter den reformierten Predigern, während bis 1551 ein katholischer Johanniter Inhaber der Pfarrstelle blieb; von 1558 bis 1561 amtierte an der Salvatorkirche neben dem katholischen Pfarrer auch ein kalvinischer Prediger. Seit 1571 wurde nach Abschaffung des Meßopfers in ihr kein katholischer Gottesdienst mehr gehalten, da der Deutsche Orden sein Patronatsrecht an der Salvatorkirche damals an die Stadt Duisburg abtrat, und 1580 verließen auch die Minoriten aus Mangel an Personal und Einkünften die Stadt, ohne jedoch ihr Eigentumsrecht an Kloster und Klosterkirche aufzugeben, die 1613 einen Bildersturm erlebte. Nur die Kreuzbrüder, die Zisterzienserinnen in Duissern, die 1582 bis 1615 im verlassenen Minoritenkloster gegen Entrichtung eines Pachtzinses wohnten, und die Franziskanerinnen in Elisabethenberg harrten mit etwa 300 bis 350 Katholiken aus. Nachdem die Minoriten unter dem Schutz der spanischen Besatzung 1615 nach Duisburg zurückgekehrt waren, übernahmen sie zusammen mit den Kreuzbrüdern die seelsorgliche Betreuung der Katholiken in Duisburg und Umgebung; 1648 wurde die Minoritenkirche staatlicherseits durch Kurbrandenburg als alleinige katholische Pfarrkirche in Duisburg anerkannt.
Die Säkularisation traf 1806 zuerst die Duisburger Frauenklöster, 1814 das Kreuzbrüderkloster, während das Minoritenkloster sich 1826 wegen Alter und Krankheit seiner nur noch wenigen Insassen gezwungen sah, selber seine Aufhebung und die Pensionierung der letzten Mitglieder bei der preußischen Regierung zu beantragen, die zum 1. I. 1832 erfolgte. Dieses Datum ist der Anfang der heutigen Liebfrauenpfarrei: Kloster und Kirche wurden samt ihrem Vermögen und dem der Kreuzbrüder der katholischen Kirchengemeinde Liebfrauen übertragen, die Dotation der Pfarrstelle und zweier Kaplaneien (davon je eine in Duisburg und Ruhrort) wurde ohne Verpflichtung zu künftigen weitergehenden Leistungen auf die Staatskasse übernommen, wobei der preußische Staat 1869 nach entsprechenden erfolgreichen Bemühungen des zuständigen Bischofs von Münster auf den daraus abgeleiteten Patronatsanspruch verzichtete.
Die Industrialisierung in Duisburg und das Anwachsen der Bevölkerung führte seit 1870 zur Vorbereitung neuer Pfarrgründungen; obwohl die Duisburger Pfarrstelle von 1879 bis 1893 infolge des Kulturkampfes unbesetzt bleiben mußte, konnten 1892 bereits die drei Tochterpfarreien St. Joseph, St. Bonifatius und St. Ludgeri abgepfarrt werden; die trotzdem längst zu klein gewordene Minoritenkirche wurde 1895/96 nach Plänen des Architekten W. Rinklake in Münster derart erweitert, daß die alte Minoritenkirche das Seitenschiff des neugotischen Neubaues bildete; sie wurde am 15. VIII. 1896 neu konsekriert. Am 19. VIII. 1934 wurde in der Minoritenkirche die ewige Anbetung eröffnet. Die Pfarrkirche wurde wie der größte Teil der Pfarrgemeinde Liebfrauen im Zweiten Weltkrieg 1942/43 zerstört, so daß 1944 bis 1948 der Gottesdienst im Waisenhaus und ab 1948 im wieder aufgebauten Festsaal des Aloysiushauses gehalten werden mußte; aus seelsorglichen Notwendigkeiten erhielt 1957 bis 1961 der Neubau der Liebfrauen-Pfarrkirche seinen Ort im Zentrum der Pfarrei am König-Heinrich-Platz nach Entwürfen von Architekt Anton Hermanns aus Kleve; diese neue Kirche wurde am 4. VI. 1961 konsekriert, ab 1. I. 1962 fand eine Umpfarrung aus der Pfarrei St. Joseph nach Liebfrauen in Duisburg statt.
Zu den Büchern der Pfarre Liebfrauen, Duisburg-Mitte (Kirchenbuchportal Bistum Essen)