Wien, Dänische Gesandtschaftskapelle

Die lutherische Toleranzgemeinde in Wien baute 1781 auf dem Grundstock der Schwedischen und Dänischen Gesandtschaftskapellen auf; erstere befand sich am Petersplatz 7 (Gebäude der Ersten Österreichischen Sparkasse ?), letztere zeitweise äußerst beengt im Palais Daun-Kinsky, davor oder danach in der Wipplingerstraße (im Managetta’schen Haus, Nr. 385), später (zuletzt?) im Gundolaischen Haus in der Renngasse, alles Wien 1. Für die reformierte Gemeinde bildete die Holländische Gesandtschaftskapelle („auf der Wieden“) eine Art „Vorgängerin“.

Am gottesdienstlichen Leben in den Gesandtschaftskapellen nahmen teil: die Gesandten und ihr Personal, die evangelischen Mitglieder von Gesandtschaften anderer Staaten, am kaiserlichen Hof anwesende Reichstände, alle evang.-lutherischen Reichshofräte, Hofräte fürstlicher Häuser, die sich in Geschäften ihrer Herren in Wien befanden, angesehene mit Privilegien versehenen Kauf- und Handelsleute, Fabrikanten, Künstler, hofbefreite oder unter gesandtschaftlichen Schutz stehende Professionisten, sowie Dienstboten aller Art und Handwerksburschen.

Getauft und getraut wurden aber nur Personen, die zur Gesandtschaft oder zum Reichshofrat gehörten oder unter gesandtschaftlichem und reichshofrätlichem Schutz standen. Alle anderen Evangelischen mussten ihre Kinder vom zuständigen katholischen Pfarrer taufen und evangelische Paare sich in der katholischen Kirche trauen lassen – die Trauung fand nicht am Hauptaltar, sondern an einem Nebenaltar statt und das dreimalige Proklamieren entfiel.

Auch Kryptoprotestanten strömten zu den für ausländische Konfessionsverwandte in den Gesandtschaftskapellen veranstalteten Gottesdiensten, obwohl ihnen der Besuch der Kapelle verboten war und der Zugang vielfach überwacht wurde. Die Wiener Erzbischöfe Kollonitsch und Migazzi haben sich wiederholt beschwerten, dass Unbefugte an den Gottesdiensten teilnehmen.

Literatur:

Wilhelm Kühnert, Das Taufbuch der schwedischen Gesandtschaftskapelle in Wien 1977-1786 In: Jahrbuch der Gesellschaft für die Geschichte des Protestantismus in Österreich. 68./69 Jg. Wien, 1953, S. 99 f.)

Karl Ritter von Otto, Evangelischer Gottesdienst in Wien vor der Toleranzzeit. In: Jahrbuch der Gesellschaft für die Geschichte des Protestantismus in Österreich. 7. Jg. Wien, Leipzig 1886, S. 120.f

Hermann Rippel, Die holländische Gesandtschaftskapelle als Vorgängerin der reformierten Gemeinde. In: Die evangelische Gemeinde H.B. in Wien. Herausgegeben von Peter Karner. Wien 1986.

Karl W. Schwarz: „Alsdann fahr‘ ma, Euer Gnaden!“ Eine Fiakerfahrt durch das „evangelische“ Wien. In: Michael Bünker/Evelyn Martin (Hg.), Der Himmel ist ein Stück von Wien. Eine Festschrift für Peter Karner, Innsbruck-Wien 2004, S. 76–94;

Christian Stubbe (1932): Die Dänische Gesandtschaftsgemeinde in Wien und ihre letzten Prediger, Kiel (Verein für Schleswig-Holsteinische Kirchengeschichte).

Waltraud Stangl

Matriken (1725 - 1783) 1 gesamt

Signatur
01,02-01 Trauungs- und Taufbuch 1725 - 1783
Matrikeltyp
Taufen - Trauungen
Anfang von Datumsintervall
1. Januar 1725
Ende von Datumsintervall
31. Dezember 1783
Lagerungsort
Archiv der evangelischen Kirche in Österreich